Freiraumplanerischer und hochbaulicher Wettbewerb Schwimmhalle Leipzig Otto-Runki Platz

3. Preis gemeinsam mit czerner göttsch architekten

Auslober: Sportbäder Leipzig GmbH
Fläche: 6.500 m²
Bausumme:
Verfahrensart: Wettbewerb
Zeitraum: 2019
Kategorien: Öffentliche Räume, Städtebau, Sport und Freizeit

Naturintensive, stadtklimafördernde Freianlagen und Bepflanzungskonzept: Der Entwurf der Freianlagen folgt der Zielsetzung einer Erweiterung der bestehenden übergeordneten Parkstruktur. Der Freiraum schafft sowohl in Ost-West Richtung, als auch in Nord-Süd-Richtung eine großzügige grüne Achse, welche die Fläche in das umliegende Parkensemble integriert und diese auch in Richtung Eisenbahnstraße öffnet. Durch eine minimale Versiegelung auch in diesem Bereich werden die Besucher von hier zur neuen Schwimmhalle und in den Park geleitet. Regenwasser wird gespeichert. Insekten- und bienenfreundliche und zum Teil fruchtende Strauchpflanzungen – wie Johannisbeeren, Himbeeren und Schmetterlingsflieder – umgreifen dabei die Gebäude. Die Fassaden erhält weitgehend einen lebendigen grünen Sockel.  Dieser Sockel erstreckt sich vom Gebäude weg in die Parkfläche hinein. Ziel ist ein Minimum an Versieglung und ein Maximum an „grüner“ aktiver Natur-Fläche. Die für die Durchquerung notwendigen, teilbefestigten Flächen werden in einer Kombination aus grüner Fuge, Rasenliner und Kleinsteinpflaster hergestellt. Durch diese Belagskombination bildet sich ein grüner Teppich auf dem das Gebäudeensemble wächst.  Sitzelemente mit einem Belag aus Holzgräting geben den Besuchern die Möglichkeit sich in der Parklandschaft niederzulassen und ein Stück Natur in der Stadt – im Sonnenschein oder im Schatten der Bäume – zu genießen.

Der geschützte Biotop-Baum: Der Baum in der Mitte des Grundstücks wird integriert und im Kontext der niedrigeren Gehölze in Wert gesetzt. Im Bereich der Neupflanzungen integrieren sich die 22 PKW-Stellplätze. Die Fahrradstellplätze gliedern sich entlang der Pflanzflächen und am nördlichen Kopf des Medizinischen Versorgungszentrums ein. Die Dachflächen werden gemäß der Leitidee eines größtmöglichen ökologischen Wertes begrünt. Hierbei kommen auch kleinere Gehölze auf der Ebene1 über den Garderoben zum Einsatz. Entlang der Gebäudekanten wird u.a. gelbblühender Winterjasmin gepflanzt der die Fassade von oben herunter und von unten herauf beranken kann.

Stadtklima und Lufthygiene: An der Eisenbahnstraße unterstützt die grüne „Vorgarten“ Struktur die Straßenbäume im Sinne der Lufthygiene. Entlang der Konstantinstraße wird durch die Pflanzung von 3 großkronigen Acer platanoides `cleveland‘ (Ahorn) und einer Aesculus carnea (Kastanie) ‚und in Verbindung mit dem bestehenden Grünen Rücken entlang der Lorenzstraße der Rahmen um die neue Parkfläche geschlossen. Die gewählten Gehölze sind stadtklimatisch robust und verbessern dieses. Zusammen mit den Stauden erreichen sie eine bedeutende stadtklimaverbessernde Feinstaubaufnahme. Zusätzlich zu den platzsäumenden kleinfruchtenden Apfelbäumen ‚Spenner‘ die vor allem Vögeln Lebensraum spenden, bieten fruchtende Apfelbäume der Sorte Rote Stern Rubinette entlang der Schwimmhallenfassade eine besondere Frühlingsblüte und machen den Park gemeinsam mit den Obststräuchern zu einem essbaren Park. Der grüne Gebäudesockel über den Garderoben bietet durch die Aufstellung von Insektenhotels auch im Winter einen wichtigen Lebensraum in der Stadt.

Beurteilung durch das Preisgericht
Der leicht zurück gesetzte Baukörper ist gegenüber der Bestandsbebauung gut positioniert, Schwimmhalle und MVZ sind über ein Dach verbunden. Die Lage des Haupteingangs zur Eisenbahnstraße ist schlüssig, wenngleich durch die Grünflächen die Aufnahmekapazität (Schulklassen) sehr beschränkt ist. Durch Positionierung des Baukörpers entsteht eine Verbindung vom Rabet über die Lorenzstr. zum Elsapark. Ein grünes Band verläuft von der Eisenbahnstraße zur Lorenzstraße. Die Stellplätze sind an der Südwestecke kompakt organisiert, allerdings überzeugt die Anlieferung mittels rückwärtsfahrender LWKs nicht. Die Entwicklung der Gebäudehöhe folgt der Badeplatte und den weiteren Funktionen, die Chance einer differenzierten Formulierung der Gebäudehöhen wird nicht ergriffen. Die funktionelle Gliederung von Eingangszone, Umkleiden, Sanitärbereichen und Badeplatte erscheint sinnvoll, ein Atrium belichtet Athletikraum, Personalraum, Badleiterraum und Flur. Die notwendige Trennung zwischen Sport- und Nichtschwimmerbecken ist weiter zu qualifizieren, das gleiche gilt auch für das Kleinkinderbecken. Die Position von Schwimmmeisterraum, Erste-Hilfe- und Geräteraum ist sinnvoll. Die Lagerung der Wasserballtore ist zu überprüfen. Die funktionale Gliederung des MVZ wird positiv bewertet. Insbesondere die Patientenräume haben eine gute Orientierung Richtung Schwimmbad. Die Technikflächen sind unter dem Gebäude plausibel angeordnet. Die Raumhöhen (insbesondere für die Lüftungszentrale) der Funktionsbereiche sind zu überprüfen. Die Belichtungssituation mit dem angehobenen Dach wird positiv bewertet. Als Fassadenbekleidung werden Keramikplatten vorgeschlagen. Die Dachflächen lassen sich gut als Retentionsflächen nutzen. Das Tragwerk ist einfach strukturiert und angemessen für das Gebäude. Die Zwischenräume werden für akustische Zwecke ertüchtigt. Die Flächen- und Volumendaten liegen insgesamt liegen im unterdurchschnittlichen Bereich (Kosten), womit auch eine hohe Wirtschaftlichkeit im Betrieb gegeben sein dürfte. Insgesamt ein wertvoller Beitrag, dessen konsequent niedrige Bauhöhe zur Eisenbahnstraße aber durchaus strittig beurteilt wird.

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