Freiraumplanerischer Wettbewerb Erlebnis Stadtmauer Pegau

Anerkennung

Auslober:
Fläche: ca. 10 Hektar
Bausumme: 1,6 Mio. (Umsetzungsbereich)
Verfahrensart: Wettbewerb
Fertigstellung: 2019
Kategorie: Öffentliche Räume, Städtebau,

Im Zentrum des Konzepts steht die Wiederentdeckung und Sichtbarmachung der Pegauer Stadtmauer. Als raumbildendes Element verbindet sie die verschiedenen Teilräume der inneren Stadt und der äußeren Landschaft miteinander. Aufgrund der nur noch partiell erhaltenen Substanz, kann die Stadtmauer die Rolle als verbindendes Element jedoch nicht mehr in Gänze erfüllen.

Auch die umliegenden Landschaftsräume und bestehenden Grünflächen entlang der Mauer benötigen ein qualifizierte Neuordnung und Herausarbeitung ihrer Potentiale.

Die Stadtmauer wurde in weiten Teilen abgetragen und besteht nur noch partiell. Um der Stadtmauer ihre visuelle Kontinuität wiederzugeben, werden diejenigen Teilbereiche, in denen keine Substanz mehr vorhanden ist, durch Baumpflanzungen ergänzt. Hier werden säulenförmige Blutbuchen eingesetzt, um den historischen Verlauf der Stadtmauer räumlich nachzuzeichnen. Aufgrund der relativ hohen Wuchshöhe, der Säulenform und der prägnanten Laubfärbung, setzen sich die Blutbuchen von der umliegenden Vegetation ab und repräsentieren die Mauer über das ganze Jahr hinweg. Dieser Umgang mit der Stadtmauer und dessen Sichtbarmachung durch Baumpflanzungen, bildet dabei eine minimal invasive Lösung, die vor allem eine Realisierung auf nicht stadteigenen Grundstücken ermöglicht, de weite Teile des ursprünglichen Verlaufs der Stadtmauer sich heute über privaten Grund erstrecken, was eine aufwendige Neugestaltung bzw. Inszenierung der Mauer erschwert.

Der Kulturgarten befindet sich im nördlichen Bereich des Landschaftsbandes und ist zwischen Stadtfriedhof und Frederic Joliot Curie Schule gelegen. Die Formsprache des Konzepts orientiert sich an dem westlich gelegenen Gartendenkmal, welches als Auftakt des Kulturgartens an der Westseite fungiert und eine geometrische Formsprache vorgibt. Um diese Eingangssituation zusätzlich zu betonen und die Verbindung mit der Innenstadt zu schaffen, verweist ein alternativer Bodenbelag auf das ehemalige Stadttor. Der Kulturgarten führt entlang des Landschaftsbandes und ist durch zwei Grandwege eingefasst. Im westlichen Teil wird der ehemalige Wehrturm als ikonisches Element der Stadtmauer inszeniert. Dieser wird durch Sitzstufen in der Böschung als Aufenthaltsort qualifiziert und durch eine kleine Platzfläche komplettiert. Die Platzfläche bietet sich für diverse Veranstaltungen an und wird durch eine Boule Fläche ergänzt. Entlang des Kulturgartens spannen sich Pflanzflächen und Rasenflächen zwischen den beiden Grandwegen auf. Die Freiflächen können unter anderem für Kunstinstallationen genutzt werden, um eine Freiluftgalerie für die Pegauer Künstler zu schaffen. Im zentralen Bereich des Gartens gibt das Konzept der Friedhofskapelle einen Vorplatz und eine großzügige Treppenanlage. Dies schafft einen attraktiven Ort zum Verweilen und einen neues, angemessenes Entrée für den Friedhof. Dieser Vorplatz wird durch ein Pflasterband mit dem Weltkriegsdenkmal verwoben. Im östlichen Bereich des Kulturgartens wird der im Bestand vorhandene Kinderspielplatz erweitert und weiter qualifiziert.

Im Bereich des Kulturgartens ist die Stadtmauer in weiten Teilen noch zu erkennen. Um die Sichtbarkeit der Mauerreste zu erhöhen und sie in den Kulturgarten einzubinden, wird der vorhandene Vegetationssaum entfernt und die Mauer freigestellt. In die so entstehende Vorzone der Mauer werden Frühblüher gepflanzt, die sich als Pflanzenband an der Mauer entlang bewegen. Die Bereiche ohne Mauersubstanz werden durch Blutbuchen ergänzt. Die prägenden Bestandsgehölze entlang der Mauer und auf der Böschungskante des Friedhofs werden in weiten Teilen erhalten. So wird die charakteristische Allee-Struktur des Gartens beibehalten und durch die Blutbuchen als neue Elemente ergänzt. Um die Orientierung von Besuchern und Bewohnern zu verbessern und sie durch das Landschaftsband zu führen, werden an historisch wichtigen Punkten Informationsstelen aufgestellt. Diese geben Orientierung und verweisen auf die Pegauer Stadtgeschichte.

Die Elsteraue mit Uferterrassen

Die Elsteraue bildet durch seine Wasserlage und die Lage am östlichen Stadteingang Pegaus einen attraktiven Naherholungsort und einen wichtigen Baustein im übergeordneten Konzept. Angelehnt an die bestehenden Freiraumqualitäten, soll die Elsteraue renaturiert werden und in seine ursprüngliche Form als Biotop für Insekten und Zugvögel umgewandelt werden. Diese einzigartige Naturlandschaft wird durch einen Uferweg erfahrbar gemacht, der an der Uferzone entlangführt und Teil des übergeordneten Landschaftsbandes ist. Neben dem Uferweg führt ein weiterer Wanderweg entlang der historischen Reste der Stadtmauer. Diese bildet gegenüber der renaturierten Naturlandschaft einen starken Kontrast und vermittelt den historischen Gegensatz zwischen dem Inneren der Stadt und der außenliegenden Landschaft. Der östliche Stadteingang wird durch die Uferterrassen neu Inszeniert und an die attraktive Wasserlage angebunden. Eine großzügige Stufenanlage führt bis an das Wasser heran und fungiert gleichzeitig als Anlegestelle für Kanutouren und weiteren Wassersport. An die Stufenanlage schließt ein städtischer Grandplatz an, der durch eine Baumreihe zum Wasser und die Stadtmauer samt Feuerwachse auf der anderen Seite eingefasst wird. Diese Platzfläche springt im südlichen Teil über die Straße und erzeugt so eine einladende Geste beim Eintritt in die Stadt. In diesem Bereich befand sich einst das östliche Stadttor, welches durch einen Belagswechsel und Baumpflanzungen hervorgehoben wird. Um die Uferterrassen zusätzlich zu beleben wird ein gläserner Café-Pavillon am Stadtturm vorgeschlagen, der durch seine Außengastronomie einen Anlaufpunkt bildet. Zusammen mit dem starken Wasserbezug stellen die Uferterrassen einen einzigartigen und stimmungsvollen Aufenthaltsort in Pegau dar.

Die Klosterwiese

Die Klosterwiese liegt im südlichen Bereich der Stadtmauer zwischen dem Pfarramt und der Feldmark angrenzend an das Volkshaus Pegau. Die freiräumliche Struktur des Ortes mit seiner dichten Baumstruktur und den ehemaligen Forellenteichen aufgreifend, soll hier ein intimer Gartenbereich zum Verweilen und entspannen entstehen. Dabei liegt der Fokus auch auf der gemeinschaftlichen Nutzung des Areals, was sich vor allem in der Möblierung mit Sitzgruppen widerspiegelt. Der ehemalige Wehrturm, der gegenwärtig bereits als Kulisse für diverse Feierlichkeiten genutzt wird, soll durch eine großzügige Grandfläche ergänzt werden. Diese Fläche kann zukünftig für Veranstaltungen genutzt werden und bietet eine sinnvolle Ergänzung als Veranstaltungsort des Volkshauses Pegau unter freiem Himmel. Die dichte Gehölzstruktur wird in den Lichtungsbereichen und entlang des Rundwegs durch freistehende Apfelbäume ergänzt, um eine Streuobstwiese zu erzeugen. Die Streuobstwiese greift dabei die Idee der Selbstversorgung auf, die bereits durch den Weinanbau auf der Klosterwiese vorhanden ist. Der ehemalige Forellenteich wird durch ein großzügiges Holz Deck ergänzt und lädt zur naturnahen Erholung ein. Eingerahmt wird der intime Gartenbereich durch auf der Nordseite durch Blutbuchen, welche den historischen Mauerverlauf nachzeichnen und mit dem ehemaligen Kloster im Hintergrund eine spannende Kulisse bilden. Der Rundweg verläuft entlang der Streuobstwiese und verläuft im Bereich des Elstermühlengrabens als Holzsteg entlang der Uferkante. Er springt gleichzeitig auch auf die andere Seite des Grabens und bindet so den Naturraum der Landmark in das Landschaftsband ein.

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